Historie

Als handliches Begleitinstrument erfreute sich die Gitarre bei Sängern schon immer eines guten Rufes; sie war zwar populär, wurde jedoch oft gleichzeitig auch als an sich dilettantisch verkannt. Richtig ist dabei: ein Gitarrenspiel, das sich auf wenige Akkorde und auf ein Anschlagen der Saiten beschränkt, ohne dem Ton Leben und Seele zu geben, ohne ihn zu bilden und ihn sprechen zu lassen, liegt weit entfernt von jeder Kunst und ist ein typisches Merkmal des bloßen Liebhabertums.

Schon immer gab es jedoch auch die hohe Kunst des Gitarrenspiels, die sich abseits des klangkräftigeren Musikbetriebs vom Meister auf den Schüler weitervererbte und fortentwickelte. Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) war vom Klang der Laute so beeindruckt, dass er sich ein Lautencembalo entwickeln ließ, darauf „pianistisch“ Lautenmusik komponierte und selbst Lautenisten wie den berühmten Sylvius Leopold Weiss mit nahezu unspielbaren Werken konfrontierte.

Es war das Verdienst des Romantikers Francisco Tárrega (1852 – 1909), dass die Kunst des Gitarrenspiels ins 20. Jahrhundert hinübergerettet und von durch Lautsprecher betäubte Ohren mit so viel Dankbarkeit aufgenommen wurde. Er hat zahlreiche Etüden, Präludien und andere Gitarrenstücke geschrieben, darunter die berühmten „Recuerdos de la Alhambra“.

Das wohl meistgespielte Gitarrenstück stammt ebenfalls aus Spanien, eine schlichte Romanze, die uns Ende des 19. Jahrhunderts von unbekannter Hand geschenkt wurde und – ähnlich wie Bachs berühmte Bourreé aus der Lauten-Suite e-Moll (BWV 996) durch alle Bahnen der musikalischen Vermarktung getrieben – doch im Original die größte Überzeugungskraft behält.